Trainieren wo die Profis zu Hause sind | Ein persönlicher Rückblick auf die andro TT-Schule

Trainieren wo die Profis zu Hause sind | Ein persönlicher Rückblick auf die andro TT-Schule

14. September 2026 0 Von Henrik Kuhlmann

Vom 14. bis 17. Mai nahmen wir (Matthias und Matteo) an einem Tischtenniskurs von der „andro TT-Schule“ (Borussia Düsseldorf) teil. Dieser Kurs beinhaltete sieben Trainingseinheiten, geleitet von einem kongenialen Trainerteam. Zusätzlich gab es die Verpflegung und eine Übernachtungsmöglichkeit inklusive. Das Gelände verfügte nämlich über ein eigenes Sporthotel.

Tag 1

Der Standort war von Osnabrück gut zu erreichen. Die Anreise mit der Regionalbahn (ohne Umstieg) verlief problemlos. Am Mittag bezogen wir nach einem schnellen Check-In unsere Zimmer und gingen nach einer kurzen Pause zur ersten Trainingseinheit.

Wir waren überrascht von der recht hohen Teilnehmeranzahl und der großen Vielfalt an vertretenen Nationen. So waren neben einer Trainingsgruppe aus den Niederlanden auch weitere ausländische Spieler, wie beispielsweise aus England, vertreten. Angesichts der 40 Teilnehmer hatten wir dabei zunächst die Sorge, dass sich die versprochene individuelle Betreuung schwierig gestalten könnte, doch auch das Trainerteam war gut aufgestellt.

Dieses wurde von A-Trainer Boris Rosenberg geleitet. Boris ist ehemaliger sowjetischer Nationalmeister (Betonung liegt auf Meister) im Doppel sowie Einzel (Quelle: Wikipedia) mit Trainingsmethoden von der „alten Schule“, einer einprägsamen Gestik und Mimik und einem ausgeprägten Sinn für Situationskomik. Komplettiert wurde das Team durch die zeitweise zu Statisten degradierten Co-Trainer Pedro Da Silva, Paolo Gaudenzi, Mara Lamhardt (alle B-Trainer) und Jiade Fang (A-Trainer, ehemalig im chinesischen Nationalteam).

Zu Beginn erklärte uns Boris den allgemeinen Ablauf des Kurses, woraufhin wir uns eigenständig aufwärmten und einspielten. Dieser Ablauf war in jeder Einheit gleich. Anschließend gab es beim Vorspielen der ersten Übung direkt Komplikationen: Nachdem es mit Matteo erst der dritte Übungspartner schaffte, die vorgesehene Übung bestehend aus 2xRH, 1xVH richtig mit Boris vorzuspielen, ahnten wir (und Boris) zunächst schlimmes, was das grundsätzliche spielerische Niveau der Trainingsgruppe anging. Der Blick von Boris, als der zweite Teilnehmer in Folge ihm den Ball anstatt in die RH, direkt in die VH spielte, verfolgte uns noch tagelang.

Im Folgenden wurde das Thema Schlägerhaltung behandelt. Schon in der ersten Einheit mussten wir die folgenschwere Erkenntnis erlangen, dass wir nach zwanzig Jahren Tischtennis scheinbar nicht mal den Schläger richtig halten konnten. Wie Boris uns im Folgenden unnachahmlich charismatisch erklärte, wird die VH im Optimalfall mit einer anderen Griffhaltung gespielt als die RH. Wir beide spielten aber auch die VH mit einem leichten RH-Griff, was zu etwas Sidespin im Topspin führte und dafür sorgte, dass das Handgelenk blockiert. Dies verleitet einen darüber hinaus auch dazu, die Topspin Bewegung zu sehr aus der Schulter durchzuführen. Aber dazu später mehr.

Während dieser Einheit waren wir auch schon direkt mit der Videoanalyse dran, bei der eine Übung nach Wahl gespielt, per Tablet aufgezeichnet und im Anschluss ausgewertet wird. Diese Analyse und ein Balleimertraining wurden im Laufe des Lehrgangs mit jedem Teilnehmer durchgeführt.

Nach einer Abschlussrunde Kaisertisch war die erste Einheit dann auch schon beendet und wir freuten uns auf das verdiente Abendessen um 18 Uhr. Auf dem Weg zur Kantine trafen wir mit Ricardo Walther auch schon auf den ersten Bundesliga-Profi, der gerade auf dem Weg zum hoteleigenen Fitnessstudio war und sich das Essen erst noch verdienen musste. Nach einer sportlergerechten Abendmahlzeit (siehe Foto) stand dann auch schon die zweite Trainingseinheit des Tages an.

Sportlergerecht?!

Sportlergerecht?!

Um 20 Uhr erwartete uns Boris wieder in der Halle. Nach dem Aufwärmen folgte direkt die erste Beinarbeitsübung (zunächst noch ohne Ball), denn wie ein weiser sowjetischer A-Trainer zu sagen pflegte, ist die Beinarbeit neben der Schlägerhaltung das „Benzin für das Auto“. Ab diesem Zeitpunkt wurde die Übung in jeder Einheit wiederholt. Beim darauffolgenden Einspielen kam es dann zur nächsten bahnbrechenden Erkenntnis für uns: Während Matteo gerade unter Boris wachsamen Blick seinen bisher unbestrittenen Paradeschlag des VH-Topspin ausführte, sah sich der sowjetische Altmeister plötzlich gezwungen einzugreifen. Ein Gedächtnisprotokoll der folgenden Diskussion: „Du ziehst keine Topspin“ – „Wie bitte?“ – „Das ist keine Topspin“ – „Wieso?“ – „99 Prozent Verbesserungsbedarf“. Die nun folgende Erklärung sorgte beim zukünftigen Landesligaspieler für ernsthafte Zweifel an den eigenen spielerischen Fähigkeiten: Matteos bestem Schlag fehle es laut Boris ganz eindeutig an Handgelenk- und Unterarmeinsatz, der fälschlicherweise durch ein zu starkes Einbeziehen der Schulter kompensiert würde. Dadurch fehle es dem Schlag in der Folge an Tempo sowie Spin, was beides allerdings für einen Topspin, der diesen Namen auch verdient, unerlässlich sei.

Im Anschluss folgte eine Einheit zum kurzen Aufschlag, bei der Matthias zunächst lernte, wie man sich beim Aufschlag richtig hinstellt. Anschließend waren wir dann auch schon beim Balleimertraining dran. Matteo versuchte unvermittelt, seine neu erlernte Topspin-Technik unter Beweis zu stellen und Matthias arbeitete an seinem – bisher noch nicht von Boris wachsamen Blick auf die Probe gestellten – RH-Topspin. Um 22 Uhr war dann unser erster Trainingstag offiziell beendet.

Tag 2

Viel Freizeit blieb uns nicht, da am nächsten Morgen um 8 Uhr das Frühstück wartete. Manche ließen sich aber wohl dennoch nicht von ihrem wohlverdienten Feierabendbier abbringen. Als wir am nächsten Morgen auf dem Weg zum Frühstück an der Getränkeliste der Hotelbar vorbeikamen, erlebten wir dadurch so manche Überraschung.

Trotz Feierabendbier waren (fast) alle pünktlich am Start

Trotz Feierabendbier waren (fast) alle pünktlich am Start

Umso verwunderter waren wir, dass zumindest der Großteil pünktlich zum nächsten Training um 9:30 Uhr in der Halle anzutreffen war. In dieser Einheit beschäftigten wir uns schwerpunktmäßig mit dem VH-Topspin auf Unterschnitt. Hier kam es maßgeblich auf die richtige Beinstellung, den bereits erwähnten essenziellen Handgelenk- und Unterarmeinsatz und den richtigen Balltreffpunkt an.

Nach einer modifizierten Runde Kaisertisch, bei der die mutigen Spieler belohnt werden sollten (Punktgewinn durch VH-Topspin gab drei Punkte), war die nächste Trainingseinheit auch schon geschafft und das Mittagessen stand an.

Nach einem kurzen Zwischenstopp bei REWE (zur späteren Deckung des täglichen Proteinbedarfs) stand auch schon die nächste Trainingseinheit an. Thema der Einheit waren diesmal der lange Aufschlag und der VH-Topspin auf Block. Nachdem sich manche Teilnehmer über die Schwierigkeit der Übungen beschwert hatten, erhielten wir jetzt für jede Übung auch noch eine einfachere Variante. Damit die jeweiligen Personen dabei nicht bloßgestellt werden, fragte Boris diese jedes Mal gezielt, ob die Übung so auch wirklich einfach genug sei.

Nach dem Abendessen war damit das Tagesprogramm im Vergleich zum vorherigen Trainingstag schon um 19 Uhr beendet. Man kann nur ahnen, was diese viele Freizeit für den abendlichen Bierkonsum bedeutet hätte. In weiser Voraussicht wurde seitens der Borussia Düsseldorf allerdings um 19:30 Uhr eine vom Trainerteam beaufsichtigte Abendbetreuung in der Halle angeboten, für diejenigen, die gar nicht genug von Tischtennis (oder Boris) bekommen konnten. Für uns war das aber genug Ballsport für den Tag und wir widmeten uns der Deckung unseres täglichen Protein- und Vitaminbedarfs. Matthias schaffte dies in besonders effizienter Art und Weise, indem er 250 Gramm Magerquark pur in klassischer „Markus Rühl-Manier” mit hoch dosierten Vitamin C Brausetabletten kombinierte, was nach anfänglichen Schwierigkeiten doch recht gut gelang.

Matthias in „Markus Rühl-Manier"

Matthias in „Markus Rühl-Manier”

Anschließend ließen wir den Abend in der Hotellobby mit einer Runde Skat ausklingen.

Tag 3

Nach einer erholsamen Nacht stand auch schon das morgendliche Frühstück in der hoteleigenen Kantine an. Dort trafen wir generell während der Mahlzeiten häufiger auf Spieler der Borussia, die selber im Gebäudekomplex untergebracht waren und/oder dort trainierten.

Die erste Trainingseinheit des Tages widmete sich dann dem RH-Topspin auf Unterschnitt und Block. Hier lernten wir erneut die große Bedeutung des Handgelenkeinsatzes und des richtigen Timings zu schätzen. Als Abschluss spielten wir erneut eine Runde Kaisertisch, bei der sich vor allem die Niederländer als unsere ärgsten Konkurrenten auszeichnen sollten. Diese hatten am Vortag zusätzlich zum normalen Kursprogramm jeweils ein Einzeltraining gebucht und somit insgesamt über 7 Stunden Tischtennis an einem Tag gespielt. Trotzdem – oder gerade deswegen – mussten wir uns diesmal am Kaisertisch geschlagen geben. Ein positiver Nebeneffekt dieser internationalen Duelle war jedoch die Aufbesserung unserer doch etwas eingerosteten Englischkenntnisse. Hier kam es teilweise zu leichten Wortfindungsproblemen, etwa als Matthias seinem Gegenspieler beim Stand von 16:17 mitteilen wollte, dass dieser die Runde gewonnen habe, da er das Ende des Durchgangs nicht mitbekommen hatte. Letztlich gelang das nur durch die Aussage: „I lost by one point, rip to me“, welche unseren Sprachgebrauch der nächsten Tage noch maßgeblich prägen sollte.

Nach einem ausgiebigen Mittagessen beschäftigten wir uns in unserer letzten Trainingseinheit des Wochenendes hauptsächlich mit dem Rückschlag. Diesbezüglich war vor allem zu beachten, einen Schupfball in der aufsteigenden Phase und einen Flip am höchsten Punkt zu spielen. Zum Abschluss gab es dann noch eines der berüchtigten „Boris-Specials“. Dieses Mal ging es um eine kurze Theoriestunde zur Doppeltaktik, bei der der mehrmalige sowjetische Doppelmeister ein letztes Mal zur Höchstform aufblühte.

Nach einem schnellen Abendessen schafften wir es noch rechtzeitig zur Sportschau in unser Hotelzimmer und beschäftigten uns den Abend ausnahmsweise mal mit einer anderen Ballsportart.

Tag 4

Am Sonntag stand anstelle einer Trainingseinheit unser internes Abschlussturnier an, zumindest für die, die noch stehen konnten. Gespielt wurde in 4er-Gruppen mit anschließender K.O.-Phase, für die sich jeweils die beiden Bestplatzierten qualifizierten. Aus Zeitgründen mussten alle Spiele mit zwei Gewinnsätzen ausgetragen werden. Wir wurden beide in unterschiedliche Gruppen gelost, die uns allerdings vor keine Probleme stellten, sodass wir als Gruppenerste in die K.O.-Runde einzogen. Hier kam es direkt im Achtelfinale schon zu den ersten spannenden internationalen Duellen: Während Matteo sich mit einer grundsoliden Leistung gegen den englischen Spieler durchsetzen konnte, traf Matthias direkt auf einen der Turnierfavoriten aus den Niederlanden. In einem denkbar knappen und umkämpften Spiel behielt er aber letztlich die Oberhand und konnte sich mit 14:12 im entscheidenden dritten Satz durchsetzen. Im darauffolgenden Viertelfinale gelang uns beiden ein souveräner 2:0 Sieg. Mit Bedauern mussten wir daraufhin feststellen, dass wir auf derselben Seite des Turnierbaums standen und nun im Halbfinale gegeneinander antreten mussten. Hier sollte es zu einer Revanche des letzten Einzelvereinsmeisterschaftsfinales kommen, indem sich Matteo noch mit 3:1 durchsetzen konnte. Dieses Mal war Matthias allerdings der deutlich sicherere Spieler und konnte durch eine fast fehlerfreie Leistung verdient (Anmerkung eines Autors) mit 2:0 gewinnen. Im anderen ebenfalls vereinsinternen Halbfinale setzte sich ein bereits vom Kaisertisch gefürchteter niederländischer Spieler durch. Im Finale vor großem Publikum hatte Matthias zunächst Probleme mit der unkonventionellen Spielweise des Gegners und lag im ersten Satz mit 1:7 zurück. Er fand danach aber immer besser ins Spiel und konnte den Satz gerade so mit 12:10 für sich entscheiden. Von diesem Erfolgserlebnis beflügelt, konnte er anschließend den zweiten Satz souverän 11:8 gewinnen und sich zum Turniersieger krönen.

Im Rahmen der anschließenden Siegerehrung hatte Matthias dann freie Auswahl bei den vom hauseigenen „Andro TT-Shop“ bereitgestellten Sachpreisen und entschied sich für einen neuen Sportrucksack. Für den Zweitplatzierten gab es einen neuen Tischtennisbelag und für die beiden Top-Platzierten der Trostrunde eine Schlägerhülle und ein Handtuch. Nach einem anschließendem Siegerfoto mit Trainer Boris stellte dieser zum Abschluss noch nüchtern fest, dass immer der Spieler gewinne, der Boris besser zuhöre. Vielleicht war das hier auch der ausschlaggebende Punkt. Jedenfalls wissen wir, dass wir ein ganz besonderes Wochenende erlebt haben, das wir noch lange in Erinnerung behalten werden.

PS: Wenn es Interessenten für ein gemeinsames Trainingslager 2027 in Düsseldorf gibt, meldet euch gerne bei uns 🙂

14.09.2026, Matthias und Matteo